Der ehemalige Preußische Landtag

Cover "Der ehemallige Preußische Landtag 1947 - 1993"

Cover „Der ehemalige Preußische Landtag 1947 – 1993“

Es ist ein geschichtsträchtiger Bau, das ist ihm schon von außen anzusehen. Und auch drinnen wird Berliner Geschichte gemacht: Seit 1993 tagt in dem Gebäude in der Niederkirchner Straße gegenüber vom Martin-Gropius-Bau das Berliner Abgeordnetenhaus. Ein Buch zur Geschichte des ehemaligen Preußischen Landtags zwischen 1947 und 1993 erzählt jetzt ein spannendes Kapitel aus der Zeit der Ost-West-Auseinandersetzung. Der Historiker Siegfried Heimann setzt damit seine 2011 im ersten Band für die Zeit von 1899 bis 1947 begonnene Geschichtsschreibung über den Preußischen Landtag fort.

Das Gebäude, in den Straßenkämpfen der letzten Kriegstage 1945 noch stärker zerstört, beherbergte nach zumindest teilweiser Sanierung von Oktober 1949 bis in die frühen 50er Jahre das Büro des DDR-Ministerpräsidenten Otto Grotewohl und seines Stellvertreters Walter Ulbricht, es war Schauplatz einer Spionageaffäre, hier erfolgten wichtige – und offenkundig falsche – Weichenstellungen in der DDR-Wirtschaftsplanung und der Landwirtschaft

Mit der Geschichte des Gebäudes, das direkt an der Sektorengrenze lag, erzählt Siegfried Heimann auch die Veränderungen in der DDR, die Machtverschiebungen in der SED oder das Ende der Länderkammer, die hier ihren Sitz hatte. Kurze Porträts einiger handelnder Personen geben Einblick in die persönliche Entwicklung und Sichtweise. So wird die Anpassung Otto Grotewohls beschrieben, des früheren Sozialdemokraten, der nicht nur der Verfolgung seiner früheren Parteigenossen tatenlos zuschaute. Er setzte sich 1955 auch nicht für seine frühere Sekretärin Ella Barczatis ein, als diese auf Weisung der Parteiführung trotz unzureichender Beweise wegen Spionage zum Tode verurteilt wurde. Grotewohl, so vermutet Heimann, fürchtete möglicherweise, „sich selbst im politischen Mächtespiel der Parteiführung zu gefährden“.

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Cover „Der Preußische Landtag 1899 -1947“

In den Büroräumen des „Hauses der Ministerien II“ waren das Ministerium für Land- und Forstwirtschaft und die staatliche Plankommission der DDR mit der Erstellung ihrer Zielvorgaben befasst, vom Dach des Gebäudes erforschte die Stasi den Westen und die Haltung der im Haus Beschäftigten. 1963 gelang dennoch eine spektakuläre Flucht per Drahtseil aus dem Gebäude in den Westen.

Erst mit dem Einzug des Berliner Abgeordnetenhauses 1993 gelang es, wieder an die Tradition des Preußischen Landtags als „Bollwerk der Demokratie“ anzuknüpfen.

Siegfried Heimann, Der ehemalige Preußische Landtag: Eine politische Geschichte des heutigen Abgeordnetenhauses von Berlin 1947 bis 1993, Christoph Links Verlag, gebunden, 200 Seiten, ISBN: 9783861538042, 19.90 Euro.

zur Fotogalerie Preußischer Landtag

 

Über Ulrich Horb

Jahrgang 1955, Journalist und Fotograf in Berlin
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