Berlin 1933 – 1945: Stadtführer zu den Spuren der NS-Vergangenheit

Cover "Pastfinder Berlin 1933 - 1945"

Cover „Pastfinder Berlin 1933 – 1945“

Kaum eine Zeit hat Berlin so nachhaltig verändert wie die zwölfjährige Nazi-Diktatur.  Dabei wurden die Umgestaltungspläne der Nationalsozialisten, die die gewachsenen Strukturen der Stadt durch gigantische Neubauten ersetzen wollten, nicht einmal  ansatzweise verwirklicht. Aber der von den Nazis begonnene Krieg  löschte letztlich große Teile der Stadt aus. So führt denn der Stadtführer des Christoph Links Verlags  „Past Finder Berlin 1933 bis 1945“ auch zu etlichen Orten, die heute auf den ersten Blick kaum noch ihre Vergangenheit verraten.

Der Band im handelsüblichen Reiseführerformat, von Maik Kopleck zusammengestellt,  führt zunächst ins frühere Regierungsviertel. Straßenpläne und historische Fotos zeigen die ehemaligen NS-Machtzentralen und einige der Denkmäler, die an den Widerstand und die Verfolgungen erinnern. Zwei Seiten sind den Spuren deutsch-jüdischer Geschichte gewidmet, eine dem Widerstand, darunter 15 Zeilen zum zivilen Widerstand aus Kirchen und den inzwischen verbotenen Parteien KPD und SPD. Die Pläne für die „Welthauptstadt Germania“ werden ausgebreitet und örtlich eingeordnet, manche allerdings – wie die Wehrtechnische Fakultät – nur als Teil der 13 Millionen Kubikmeter  Schutt, die den heutigen Teufelsberg bilden. Ein Kapitel  widmet sich dem Bombenkrieg und zeigt die Spuren der Schlacht um Berlin etwa am Reichstag, an den ehemaligen Flakbunkern Friedrichshain und Humboldthain oder das Gedenken an den sowjetischen Ehrenmalen.  An verschiedenen  erhalten gebliebenen Orten wird die Nutzung   während der NS-Zeit und in der Nachkriegszeit erläutert. Ortsbeschreibungen werden etwa zum Atelier des NS-Künstlers Arno Breker oder den Wohnhäusern der NS-Regisseurin Leni Riefenstahl und der NS-Gegner Erich Kästner, Albert Einstein und Marlene Dietrich geliefert.

Das Reiseführerformat mit seinen Ortsangaben und knappen sachlichen Beschreibungen ermöglicht die Zusammenstellung von Besichtigungsrouten. Historische Zusammenhänge und Abfolgen geraten dadurch eher in den Hintergrund, ebenso wie der Alltag im Berlin der NS-Zeit.

Ein weiterer Band der Reihe beschreibt die Jahre 1945 bis 1989.

Maik Kopleck , Past Finder Berlin 1933 bis 1945, Christoph Links Verlag, ISBN-13: 978-3861533269, 13 Euro

Über Ulrich Horb

Jahrgang 1955, Journalist und Fotograf in Berlin
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