Bethanien: Diakonissen, Besetzer, Künstler (II)

Diakonissenanstalt Bethanien und Mariannenplatz: Zeitgenössischer Stich von W. French. Sammlung: U. Horb

Diakonissenanstalt Bethanien und Mariannenplatz: Zeitgenössischer Stich von W. French. Sammlung: U. Horb

Zwischen 1845 und 1847 entstand das Bethanien auf dem damaligen Köpenicker Feld, einer großen noch weitgehend unbebauten Fläche im Südosten der Stadt mit Feldern und Wiesen, für das Peter Josef Lenné 1842 einen Bebauungsplan entworfen hatte. Mit der Planung des späteren „Bethanien“ war Hofarchitekt und Schinkel-Schüler Friedrich Ludwig Persius (1803-1845) beauftragt, der u.a. auch die Friedenskirche im Schlosspark Sanssouci erbaute. Fertig stellten die Pläne nach dem frühen Tod von Persius sein Mitarbeiter Bauinspektor Theodor Stein und der Oberbaurat August Stüler.

Auf dem Köpenicker Feld wurden aus Steuergeldern 27 Morgen und 43 Ruten angekauft. Der Preis: 113.790 Taler. Ein preußischer Morgen entsprach etwa 2553 Quadratmetern. Vorbesitzer waren u.a. die Familie Mosisch, die dort Gärtnereien besaß, und der Ackerbürger Koppen. 461.000 Taler kosteten Krankenhaus, Kirche und Gärten. Die Pläne zeigten eine klar gegliederte Fassade im Rundbogenstil, einem dominierenden Baustil dieser Zeit. Die zwei markanten Türme, so berichtet es Pastor Wilhelm Langer in seiner Festschrift zum hundertjährigen Bestehen Bethaniens, sollen auf ausdrücklichen Wunsch des Königs errichtet worden sein, „um der ganzen Anlage einen sichtbar kirchlichen Charakter zu geben“.

Baubeginn war am 8. Mai 1845, noch im selben Jahr war Richtfest für das Hauptgebäude und zwei Beamtenhäuser. Die am Bau des Bethanien Beschäftigten hatten 14 Stunden täglich zu arbeiten, sechs Tage die Woche. Die einfachen Handlanger bekamen dafür 12 ½ Silbergroschen pro Tag, Gesellen 20 Silbergroschen und der Polier 1 Taler. Missernten trieben 1847 die Lebensmittelpreise in die Höhe. Schon im Herbst 1846 hatten die Berliner Stadtverordneten vergeblich an den König appelliert, den Export von Getreide und die Schnapsbrennerei aus Kartoffeln zu untersagen, um eine weitere Verknappung zu verhindern. Der Preis für eine Metze Kartoffeln, das waren etwa 2 bis 2,5 Kilogramm, verdreifachte sich Anfang 1847 auf drei Silbergroschen. Im April stieg der Preis auf 5 Silbergroschen, die „Kartoffelrevolution“ brach aus, Vorbote der Revolution von 1848. Am 21. April 1847 wurden in Berlin Bäckereien, Fleischerläden und Marktstände gestürmt. Ein massives Militäraufgebot beendete die Unruhen nach wenigen Tagen. Auch der Bau am Diakonissenhaus ging weiter.

Erst einen Tag vor der feierlichen Einweihung am 10. Oktober 1847 legte sich der König auf den Namen „Bethanien“ fest. Bis zu 350 Kranke sollten laut königlicher Urkunde hier behandelt werden, für 100 von ihnen sagte der König „aus Staatsfonds“ 10.500 Taler jährlich zur Finanzierung zu. Später beteiligte sich die Stadt an der Finanzierung. Aus Kaiserswerth bei Düsseldorf kamen die ersten neun Diakonissen, gekleidet in blauer Tracht mit Häubchen und weißer Schürze. Zwei Anstaltsärzte nahmen die Arbeit auf.

Das Köpenicker Feld war – neben einem Bereich in der nördlichen Oranienburger Vorstadt – zu einem der ersten Industriegebiete Berlins geworden. Wer die Köpenicker Straße in Richtung Schlesisches Tor ging, sah zur Spree hin die Trockenwiesen, die von Gerbern, Färbern und Kattundruckern (Baumwolldruckern) genutzt wurden. An der Oberbaumbrücke baute der Kattundrucker J. F. Dannenberger 1816 die erste Maschinendruck-Werkstatt. C.A. Heckmann errichtete am Schlesischen Tor ein Messing-Walzwerk. 1847 waren bei ihm drei Dampfkessel in Betrieb, eine Kupferschmiede und eine Neusilberfabrikation entstanden.

Im Februar 1848 drangen die Nachrichten von der Absetzung des französischen Königs und der Ausrufung der Zweiten Republik von Paris nach Berlin. In Baden nahm die Märzrevolution ihren Anfang, in Mannheim wurden am 27. Februar 1848 auf einer Volksversammlung Forderungen nach Menschen- und Bürgerrechten, nach Pressefreiheit, einem deutschen Nationalparlament und einer Verfassung erhoben. Auch in Preußen gab es noch immer nicht die versprochene Verfassung. Dazu kam die zunehmende soziale Not vieler Familien. Während die Lebensmittelpreise gestiegen waren, sanken die Handwerkerlöhne durch die aufkommende Industrie.

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(Hinweis: Die hier verwendeten Abbildungen stammen aus dem eigenen Archiv. Sollte es dennoch einmal Unklarheiten bezüglich des Urheberrechts geben, wenden Sie sich bitte einfach per Mail an mich: info@ulrich-horb.de)

Über Ulrich Horb

Jahrgang 1955, Journalist und Fotograf in Berlin
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