Stadt der tausend Farben

Cover "King Kool City"

Cover „King Kool City“

Kultur ist in Berlin überall sichtbar. Auch an Stellen, an denen sie manch einer gar nicht haben möchte: an Brandmauern, Fassaden, Stromkästen oder S-Bahn-Waggons. Wie die Graffiti dorthin kommen und was ihre Urheber mit ihren zum Teil mysteriösen Botschaften bezwecken, beschreibt ein großformatiger Bildband aus dem Elsengold-Verlag.

 

Berlin wurde in den siebziger Jahren eines der Zentren der Subkultur mit Rap, Graffiti, Breakdance und Skateboarding. Die Stadt bot günstige Mieten und Freiräume. „Aus dem früheren Sehnsuchtsort für Aussteiger und westdeutsche Wehrdienstflüchtlinge“, so die Autoren Sarah Paulus und Rolf G. Wackenberg, „wird die Stadt der tausend Farben, der Styles und Flows.“

Es ist eine internationale Szene: Die im Buch porträtierten 30 Sprayer, Rapper, DJs, Beatboxer, Skater, Breakdancer, Produzenten und Händler sind  „Kurden, Israelis oder Tschechen, stammen aus Chile, Frankreich, dem Libanon, der Türkei, aus Gifhorn oder Kornwestheim“. Und es ist eine männlich dominierte Szene, das macht das Blättern im Bildband schnell deutlich.

Die Streetart, oft auf alte, zerfallene   Mauern gesprüht, hat inzwischen in Galerien und Museen Einzug gehalten, kommt damit zum Teil aus der Illegalität heraus, wenn sie – wie bei ElBocho – nun auf Leinwänden einher kommt . Und auch im reich illustrierten Band „King Kool City Berlin“ sind es edle Fotografien, die die  Künstler zeigen – manche allerdings nicht ohne Grund hinter Masken verborgen.

Das Bild einer coolen Szene ist es, was die BVG und das Landeskriminalamt möglichst gar nicht erst aufkommen lassen möchten. Die BVG, die 2015 rund 1500 Anzeigen wegen Graffiti-Schäden erstattete, hat den beiden Autoren immerhin eine Stellungnahme zukommen lassen. Kunstprojekte auf Bahnhöfen gebe es, eine Zusammenarbeit mit der Graffiti-Szene eher nicht, so das Verkehrsunternehmen.  Dabei verweist es nicht nur auf die inzwischen etwas zurückgegangenen Schäden an Zügen und Bahnhofswänden, sondern auch auf die Gefahren für waghalsige Sprayer und Zugführer.  Ein bis zwei Todesfälle gebe es im Jahr, heißt es beim Landeskriminalamt, dessen 20köpfige Gemeinsame Ermittlungsgruppe Graffiti im Buch zu Wort kommt. 10.000 Anzeigen wurden im vergangenen Jahr gestellt. 1500 davon bearbeitete das LKA, das immerhin 596 Tatverdächtige ermitteln konnte.

Der Band gibt seltene Einblicke in eine eher verborgene Szene – eine von vielen in Berlin.

Sarah Paulus, Rolf G. Wackenberg, KING KOOL CITY BERLIN, Von Hiphop bis Graffiti
192 Seiten,  ca. 120 Abb., Hardcover mit Schutzumschlag,
ISBN 9783944594576, EUR 24,95

Über Ulrich Horb

Jahrgang 1955, Journalist und Fotograf in Berlin
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