Verfolgt wegen „Sozialdemokratismus“

Cover "Paul Szillat"

Cover „Paul Szillat“

Sein Leben lang hat er Mut bewiesen.  In einer kleinen Broschüre, die der Präsident des Abgeordnetenhauses herausgegeben hat, wird dieser Mut Paul Szillats jetzt gewürdigt und der Lebensweg eines Sozialdemokraten beschrieben, der immer seinen Überzeugungen treu geblieben ist. Autor ist der Berliner Historiker Siegfried Heimann.
Paul Szillat wurde 1888 geboren, 1913 trat er in die SPD ein.  Er wurde zum Stadtkämmerer in Rathenow und zum Oberbürgermeister in Brandenburg gewählt und war ab 1925 Abgeordneter im Preußischen Landtag.
Mit der selben Standhaftigkeit, die Otto Wels im Reichstag bewies, als er gegen das Ermächtigungsgesetz der Nazis sprach, wandte sich Paul Szillat am 18. Mai 1933 im Preußischen Landtag gegen das preußische Ermächtigungsgesetz.  Im Eilverfahren wurde das von der NSDAP und der DNVP gemeinsam eingebrachte Gesetz dennoch in allen drei Lesungen  mit „verfassungsändernder“ Mehrheit beschlossen. Mit ihm verlor  Preußen nach 234 Jahren seine Eigenstaatlichkeit.  Szillat wurde kurz danach  verhaftet und im KZ Oranienburg misshandelt.
Er überlebte die Nazi-Zeit und stellte sich und seine kommunalpolitischen Erfahrungen 1945 in den Dienst des Wiederaufbaus.  Paul Szillat ging wieder in die Kommunalpolitik und wurde Bürgermeister von Rathenow. Er unterstützte den Zusammenschluss von SPD und KPD. Im  April 1946 wurde er in den Zentralvorstand der SED gewählt.

Szillat ging es allerdings mehr um konkrete Verbesserungen für die Bürgerinnen und Bürger als um die Durchsetzung einer Parteilinie. Die Entwicklung der SED zu einer stalinistischen Partei „neuen Typs“ führte zur Ausgrenzung vieler ehemaliger Sozialdemokraten. Auch Szillat wurde unter dem Vorwurf des „Sozialdemokratismus“ angefeindet und 1950  aus der SED ausgeschlossen. Er wurde  als Bürgermeister abgesetzt und 1951 – zusammen mit seinem Sohn Hans –  zu einer Haftstrafe verurteilt.  1956  amnestiert, verließ er die DDR. Im Januar 1958 starb er in West-Berlin. Das Urteil gegen ihn und seinen Sohn wurde 1992 aufgehoben.

Siegfried Heimann, Paul Szillat 1888 – 1958, herausgeg. vom Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin, Broschüre, DIN A5, 68 Seiten, keine Schutzgebühr. Bestellungen: oeffentlichkeitsarbeit@parlament-berlin.de

Über Ulrich Horb

Jahrgang 1955, Journalist und Fotograf in Berlin
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