„Wenn wir endlich frei sind“: der bewegende Briefwechsel der Weisenborns

Cover "Wenn wir endlich frei sind"

Cover „Wenn wir endlich frei sind“

„Muss ich sterben, so werde ich tapfer und schweigsam sterben. Es ist Krieg, die einen fallen in Stalingrad, die anderen in Plötzensee. Wir werden uns auf jeden Fall lange nicht sehen, aber unsere Liebe wird nicht vergehn. Sie wird ein Teil der großen Weltliebe sein, der wir dienen und zu der wir uns gläubig bekennen.“ Zeilen, die einem Brief von Günter Weisenborn an seine Frau Joy entnommen sind, beide von den Nazis in unterschiedlichen Haftanstalten eingesperrt.

Es sind bewegende Briefe voller Liebe und Hoffnung, die der Schriftsteller Günter Weisenborn und Joy austauschten. Beide werden im September 1942 als Angehörige der Widerstandsgruppe Schulze-Boysen-Harnack verhaftet und sitzen monatelang in Untersuchungshaft. Sie ermutigen sich gegenseitig, sie malen sich ihre Zukunft aus, sie planen für die Zeit, „wenn alles vorbei ist“, wenn sie endlich frei sind.So geben sie nicht auf.

Während seine Frau überraschend im April 1943 ohne Prozess freikommt, wird Weisenborn zu drei Jahren Zuchthaus verurteil und im April 1945 von der Roten Armee aus dem Zuchthaus Luckau befreit. Zahlreiche andere Mitglieder der Widerstandsgruppe Schulze-Boysen-Harnack, von der Gestapo unter der Bezeichnung „Rote Kapelle“ verfolgt, wurden in Plötzensee hingerichtet.

Die Briefe und Gedichte, ergänzt von Schilderungen der Verhöre und Haftbedingungen, die Weisenborn in „Memorial“ aufgeschrieben hatte, sind ein beklemmendes Stück Zeitgeschichte. 2008 ist der Band in einer Neuauflage erschienen, die heute im Handel kaum noch erhältlich ist.

Wenn wir endlich frei sind: Briefe, Lieder, Kassiber von Günther und Joy Weisenborn. 1942-1943, Hrsg.: Elisabeth Raabe, Einleitung: Hermann Vinke, ISBN-10: 3716023787
(erschienen in: Berliner Stimme, 9. November 2013)

Über Ulrich Horb

Jahrgang 1955, Journalist und Fotograf in Berlin
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