Das Rathaus Friedenau

Cover „Das Rathaus Friedenau“

Zwischen 1913 und 1917 wurde am Übergang von Haupt- und Rheinstraße das Friedenauer Rathaus errichtet. Der Fachbereich Denkmalschutz des Bezirksamts Tempelhof-Schöneberg hat 2008 die Geschichte des Rathauses in einer kleinen Broschüre festgehalten. Autorin Dr. Susanne Willen beschreibt Vorgeschichte, Bau und Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg. Grundrisse und zahlreiche Fotos illustrieren die Entwicklung.

Die Entstehung der Villenkolonie Friedenau geht auf die Initiative des Hamburger Kaufmanns. Johann Anton Wilhelm Carstenn zurück, der 1865 das Rittergut Deutsch-Wilmersdorf erworben hatte, um es zu parzellieren und einen Villenvorort nach englischem Vorbild zu schaffen. 1871 gilt als Gründungsjahr Friedenaus, da in diesem Jahr der neugegründete „Landerwerb- und Bauverein auf Actien“ mit der Parzellierung begann. “Die ersten Anwohner wurden grundbuchlich dazu verpflichtet, keine Mietshäuser zu errichten“, so die Autorin. Ab 1887 waren dann auch mehrgeschossige Mietshäuser zugelassen.

Berlin wuchs und mit der Hauptstadt wuchs auch Friedenau. Spätestens ab 1902 gab es Überlegungen zum Bau eines eigenen Rathauses. 1906 wurde der Architekt Hans Altmann Gemeindebaurat und trieb das Vorhaben voran. Ein Plan Altmanns fand Zustimmung, zunächst aber mussten Schulen gebaut werde. 1911 kam man auf die Rathauspläne zurück. Als Bauplatz war zunächst der Wilmersdorfer Platz (heute: Renee-Sintenis-Platz) vorgesehen, den Vorzug erhielt dann ein Grundstück direkt am Marktplatz (später Lauterplatz, heute Breslauer Platz). Am Renee-Sintenis-Platz wurde später das Postamt errichtet.

Im Rathaus wurden Diensträume für 165 Beamte untergebracht, eine Wohnung für den Bürgermeister, mehrere Dienstwohnungen für Unterbeamte, der Ratskeller sowie die Feuer- und Sanitätswache. Zudem wurde ein Bürgerfestsaal geschaffen. Die Grundsteinlegung erfolgte am 18. Oktober 1913, zwei Jahre später zog bereits die Gemeindevertretung mit einigen Büros ein. 1916 war der 71 Meter hohe Rathausturm fertig. „Die architektonische Gestaltung des Rathauses lässt sich stilistisch nicht eindeutig zuordnen“, so die Autorin, „der Bau spiegelt vielmehr die Umbruchphase zwischen Historismus und Moderne wieder. In der Synthese von Formen des herrschenden Zeitgeschmacks und Reminiszenzen an historische Stilformen – insbesondere Barock und Renaissance- ergibt sich eine eigene, sehr lebhafte Formenspräche.“

Ganze drei Jahre von 1917 bis 1920 erfüllte das Rathaus der Landgemeinde seine Aufgaben, 1920 ging Friedenau in Groß-Berlin auf. Die Räume wurden aber nun für Aufgaben der Schönberger Bezirksverwaltung genutzt.

In den letzten Kriegstagen 1945 wurden Teile des Rathauses und die Fassadenfront zerstört, erst 1953 fand das Richtfest für das wiederaufgebaute Rathaus statt. Dienstwohnungen gab es nun nicht mehr, durch Umbau und Dachgeschossbau könnten aber 80 neue   Büroräume geschaffen werden.

Die Broschüre enthält Grundrisse und eine Zeittafel des Rathausbaus.

Susanne Willen, Das Rathaus Friedenau am Breslauer Platz, Hrsg. Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, Berlin 2008, 48 S., zahlr. Abb.

Über Ulrich Horb

Jahrgang 1955, Journalist und Fotograf in Berlin
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