Berlin steckt voller Geschichten. Einige sollen hier in Zukunft erzählt werden,  Alltagsgeschichten aus einer sich ständig verändernden Stadt. Und es gibt es viele Tipps zur Berlin-Literatur, ob Neuerscheinung oder antiquarisch. Weitere Fotos und Texte finden Sie auf fotos-aus.berlin und nacht-in.berlin.

Publiziert am von Ulrich Horb | Hinterlasse einen Kommentar

Wirklichkeitsbeschreiber: Der Künstler Otto Nagel (2)

Erinnerungstafeln an den Berliner Künstler Otto Nagel

Erinnerungstafeln an den Berliner Künstler Otto Nagel von Ralf Klausnitzer an der Reinickendorfer Str. 67

(zum Teil 1) Die exklusive Kunstwerkstatt von Heinersdorff entspricht  so gar nicht den Vorstellungen von Otto Nagel.  Er tat sich selbst leid, schreibt er später im Rückblick: „Meinen geliebten Wedding, die grauen Straßen mit den unzähligen Mietskasernen und den dazwischengeschobenen kleinen Häuschen verlassen! Nicht mit Menschen zusammen sein, die in Haltung und Bewegung waren wie ich selbst.“  Er lernt auch das unterschiedliche Bewusstsein der Arbeiter kennen: Hier die Glasmaler, die sich als Künstler verstehen, sich siezen  und mit langen Haaren, Sammetjackett und einer breiten Künstlerschleife auftreten, dort die bodenständigen Bleiverglaser, die sich duzen und keinen Standesdünkel haben. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Geschichten, Wedding | Verschlagwortet mit , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Berlin 1906: Ein Franzose zeichnet die Stadt

Cover "Berlin wie ich es sah"

Cover „Berlin wie ich es sah“

Mit Neugier und mitunter auch Verwunderung blickt der französische Zeichner Charles Huard bei seinem Berlinbesuch 1906 auf die Stadt. Berlin wächst in atemberaubendem Tempo, Huard lernt eine Stadt im Umbruch kennen. „Berlin, wie ich es sah“ sind seine Eindrücke überschrieben, die 1907 auf Französisch erschienen. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Berlin im Buch, Berlin-Bildband, Berlin-Literatur | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Wirklichkeitsbeschreiber: Der Künstler Otto Nagel (1)

Gedenktafel am Geburtshaus von Otto Nagel. Sie wurde hier am 26. September 1974 in Anwesenheit der Witwe Walli Nagel angebracht. Foto: Ulrich Horb

Er hat die Stadt und ihre Menschen im Bild  festgehalten. Eindringliche, ungeschönte Porträts, der Arbeitsalltag, Stadtlandschaften vor ihrer Zerstörung: Die Bilder des Berliner Malers Otto Nagel , vor 125 Jahren im Wedding geboren und aufgewachsen, zeigen eine oft ausgeblendete Realität. Dass Nagel nicht die künstlerische Aufmerksam gewonnen hat, die er verdient hätte, liegt wohl an den politischen Konstellationen seiner Zeit: den Auseinandersetzungen in der Weimarer Republik, der Verfolgung im Nationalsozialismus und schließlich der Zeit des Kalten Kriegs. Und daran, dass sich Otto Nagel nicht verbiegen mochte. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Geschichten, Wedding | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Wo sie ruhen: Berühmte Persönlichkeiten auf Berliner Friedhöfen

Cover „Wo sie ruhen“

Sie nehmen eine Fläche von mehr als 1000 Hektar ein, die  224 Berliner Friedhöfe. Das Nachschlagewerk „Wo sie ruhen“ gibt Auskunft  darüber, auf welchen Berliner Friedhöfen bekannte Persönlichkeiten ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

39 Friedhöfe sind mittlerweile geschlossen, auf ihnen finden keine Beisetzungen mehr statt. Aber ihren Charakter haben auch sie bewahrt, die Grabsteine stehen dort weiter. Die meisten offenen Friedhöfe, insgesamt 117, werden von der evangelischen Kirche verwaltet, 86  vom Land Berlin. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Berlin im Buch, Berlin-Geschichte | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Wohnungselend 1901-1920: Eine Krankenkasse schlägt Alarm

Cover zum Nachdruck der Wohnungs-Enquete.

„Eine Besserung schlechter Zustände kann nur eintreten, wenn man die bestehenden Missstände aufdeckt, wenn man sie an das Licht des Tages zerrt, damit klar sichtbar wird, wo eingesetzt werden muss, um eine Wendung zum Bessern herbeizuführen.“ Das schrieb 1906 Albert Kohn, Geschäftsführer der Krankenkasse der Kaufleute, Handelsleute und Apotheker in Berlin, die gerade eine bedrückende und schonungslose Dokumentation über die Wohnsituation in der Hauptstadt vorgelegt hatte. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Berlin-Bildband, Berlin-Geschichte | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

DDR-Opposition: Vor der Gründung der SDP

Martin Gutzeit. Foto: Ulrich Horb

Die Gründung der Sozialdemokratischen Partei in der DDR (SDP) hat einen jahrelangen Vorlauf. SDP-Mitbegründer Martin Gutzeit berichtet im Interview über die Zeit vor 1989.

Frage: Als die Mauer gebaut wurde, waren Sie neun Jahre alt. Nimmt man da einen Staat wie die DDR nicht als ganz normal hin? Wie entsteht kritisches Denken?
Martin Gutzeit: Den Mauerbau habe ich sehr bewusst miterlebt. Wir lebten in der Nähe von Cottbus, mein Vater war dort Pfarrer. Gegenüber wohnte der Bäcker. Mit seinen Jungs habe ich immer gespielt. Im Sommer 61 haben sie sich abgesetzt. Den Bäcker hatten sie 1957 wegen eines politischen Witzes für anderthalb Jahre  in den Knast gesteckt. Kurz vor dem Mauerbau sind wir mit der U-Bahn durch West-Berlin gefahren, wir hatten Verwandtschaft in Prenzlauer Berg. Später haben wir erfahren, dass auch sie in den Westen wollten und schon Stück für Stück ihre Sachen hinübergeschafft hatten. Es gab die Kollektivierung der Landwirtschaft, auch da sind viele in den Westen gegangen. Ich habe die Widersprüche sehr unmittelbar erfahren. Weiterlesen

Veröffentlicht unter SPD-Geschichte | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Berlins Jahrhundertkneipen

Cover "Jahrhundertkneipen in Berlin", erschienen 2019

Cover „Jahrhundertkneipen in Berlin“, erschienen 2019

Vorbei sind die Zeiten, an denen nahezu jede Berliner Straßenecke im Wedding, in Kreuzberg, Charlottenburg oder Prenzlauer Berg auch ihre Eckkneipe hatte. Feine Restaurants  haben Einzug gehalten, indische,  türkische, afrikanische oder arabische Küche ist zu finden, Shisha-Bars und Schnellimbisse bestimmen das Straßenbild. Einige Kneipen gibt es noch, die an alte Zeiten, zumindest an ältere Zeiten erinnern. Clemens Füsers, Schriftsteller, Bühnen- und Drehbuchautor, hat die ganz alten besucht und beschrieben, zahlreiche großformatige Fotos illustrieren seinen Band „Jahrhundertkneipen in Berlin“. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Berlin-Bildband, Berlin-Geschichte | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

„Mein Gott, Berlin“

Cover "Mein Gott, Berlin" von Jürgen Engert, 2001 erschienen.

Cover „Mein Gott, Berlin“ von Jürgen Engert, 2001 erschienen.

Auf dem Umschlagfoto schaut der Autor ernst und nachdenklich auf die Leserinnen und Leser, die linke Faust ist gegen die Wange gepresst. Der Buchtitel unter diesem Motiv lässt  spüren, wie sich der Verfasser auch gedanklich an den Kopf fasst:  „Mein Gott, Berlin“ – unter diesem Titel hat der  Journalist Jürgen Engert 2001 seine Sicht auf die zusammenwachsende Stadt veröffentlicht. Der Titel, den sich der Autor da zu eigen macht, ist ein Ausspruch des Großvaters beim Abschied Engerts aus Sachsen. „Berlin, das war die Anti-Stadt für das sächsische Gemüt: Zu groß, zu laut, zu schnell, hemdsärmelig“, so Engert  über die Haltung des Großvaters. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Berlin-Antiquariat | Verschlagwortet mit , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Geschichtslandschaft Wedding

Cover "Wedding", Buchreihe der Historischen Kommission zu Berlin 1990.

Cover „Wedding“, Buchreihe der Historischen Kommission zu Berlin 1990.

Mächtige Industriebauten, düstere Mietskasernen, großzügige Parkanlagen und Kleingärten – der Berliner Bezirk Wedding, heute ein Teil des neuen größeren Bezirks Mitte, hat unterschiedliche Gesichter.   In der aufwändig recherchierten und illustrierten Buchreihe „Geschichtslandschaft Berlin – Orte und Ereignisse“ der Historischen Kommission zu Berlin war ihm 1990 der dritte Band gewidmet. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Berlin-Antiquariat, Berlin-Geschichte, Wedding | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

„Möbel zu Hause, aber kein Geld für Alkohol“

Cover „Möbel zu Hause, aber kein Geld für Alkohol“

Cover „Möbel zu Hause, aber kein Geld für Alkohol“

Kaum einer schreibt  so lustig über Schwermut  wie Klaus Bittermann. Da ist es dann fast ein wenig schade, dass man selber gerade nicht schwermütig ist, weil man ja Bittermanns  Buch liest.  Zum Beispiel die Geschichte über den „Berlin Blues“ – eine von vielen „Kreuzberger Szenen“, aber eine eher schwermütige. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Berlin-Antiquariat, Berlin-Literatur, Kreuzberg | Verschlagwortet mit , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar