Friedenau – Aus dem Leben einer Landgemeinde 1871 bis 1924

Cover „Friedenau – Aus dem Leben einer Landgemeinde 1871 bis 1924“

1986 erschien im Verlag Zinsmeister & Grass der Band „Friedenau – Aus dem Leben einer Landgemeinde 1871 – 1924“. Hermann Ebling hat darin auf 158 Seiten eine umfangreiche Dokumentation zur Geschichte des Berliner Ortsteils vorgelegt und verschiedene Spazierwege anhand von alten Fotografien und Postkarten illustriert.

Das alphabetische Verzeichnis aller Bewohner Friedenaus und sämtlicher Häuser passte 1877 noch auf zwei Druckseiten. Aber die Industriestadt Berlin wuchs, die Wohnungsnot nahm zu, Mieten stiegen um das Doppelte und Dreifache, auch in den Vororten wurde zunehmend gebaut.  Am 9. Juli 1871 gründete sich der Landerwerbs- und Bauverein auf Aktien, der die Entwicklung Friedenaus vorantrieb und vor allem für den Mittelstand Wohnungen schaffen wollte. „Der Verein wollte durch Ankauf von Land, Anlage von Straßen und Bau von Landhäusern seinen Mitgliedern Gelegenheit geben, sich ein eigenes, schuldenfreies Haus nebst Garten bei mindestens nicht höheren als den damaligen Berliner Mietspreisen zu erwerben“; schrieb der Schöneberg-Friedenauer Anzeiger in einem Rückblick. Direktor des Vereins wurde David Born, der von dem Herrn von Carstenn-Lichterfelde gehörenden Rittergute Deutsch-Wilmersdorf zunächst eine Fläche von 43 preußischen Morgen und 19 Quadratruten erwarb, die später erweitert wurde.

Das Wachstum wird auf den Landkarten und Stadtplänen von 1892 und 1916 deutlich, die Ebling auf den vorderen Seiten seiner Friedenau-Geschichte dokumentiert und die die zunehmende Bebauung zeigen. Im Teltower Kreisblatt vom November 1899 erschien ein längerer Bericht über die Entwicklung der Landgemeinde Friedenau, der als Faksimile abgedruckt ist.

Zum fünfzigjährigen Bestehen Friedenaus 1924 widmete der Schöneberg-Friedenauer Lokalanzeiger der Entwicklung eine Jubiläums-Ausgabe. Darin enthalten war auch eine Kleine Chronik von Friedenau, das seinen Namen der Anregung der Baumeister-Gattin Auguste Hähnel verdankte, die damit den Frieden von Frankfurt 1871 würdigen wollte, der den deutsch-französischen Krieg beendet hatte. 1894 wurde Friedenau ein eigener Amtsbezirk.

Zehn Spaziergänge durch Friedenau ergänzen den Dokumentenband. Sie führen in das Gebiet zwischen Wannseebahn und Rheinstraße, vom Lauterplatz zum Birkenwäldchen, entlang der Handjerystraße, zum Sportplatz Friedenau, zum Wagnerviertel und Ringbahnhof, zur Rheinstraße, von der Bornstraße zum Schillerplatz, zum Friedrich-Wilhelm-Platz und der Kaiserallee, vom Südwestkorso zum Rüdesheimer Platz und zum Gelände östlich der Wannseebahn. Zahlreiche zeitgenössischen Fotografien und Ansichtskarten illustrieren die jeweiligen Wege. Und manche zeigen auch, dass in Friedenau zumindest einiges noch so erhalten ist, wie es einmal war.  Die Bilder zeigen aber auch eine Betriebsamkeit und Lebendigkeit, die Friedenau stets ausgezeichnet hat.

Hermann Ebling, Friedenau. Aus dem Leben einer Landgemeinde 1871 – 1924 (Eine Dokumentation) ISBN 3980130908  (ISBN-13: 9783980130905) Verlag Zinsmeister und Grass Berlin 1986, 158 S

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Über Ulrich Horb

Jahrgang 1955, Journalist und Fotograf in Berlin
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