„Lange photographiert auch so eigen, dass er seit Beginn seiner Tätigkeit als selbstständiger Photograph im Alter von 22 Jahren nur das aufgenommen hat, was ihn interessiert“, so stellt es der Historiker und Stadtforscher Benedikt Goebel im einleitenden Text zum Fotobuch „Karl-Ludwig Lange – Der Photograph in seiner Zeit“ fest. Was Lange interessiert hat, präsentiert der 2014 erschienene Band über die Berliner Jahre von 1973 bis 2004 in schlichter Schwarzweiß-Optik.
Erschienen ist der Bildband anlässlich der gleichnamigen Ausstellung, einem Projekt der Kommunalen Galerien in Berlin und der Berliner Regionalmuseen im Rahmen des 6. Europäischen Monats der Fotografie 2014/15.
Karl Ludwig Lange ist kein Pressefotograf, seine Bilder sind nicht auf Terminen entstanden, er lichtet keine Politiker und keine Prominenten ab. Die Schule hatte Lange ohne Abschluss verlassen, er absolvierte eine Lehre zum Fotografen, assistierte anschließend u.a. Will McBride. Benedikt Goebel bezeichnet Lange als Stadtfotograf, ausdrücklich nicht als Architekturfotograf. Er dokumentiert die Stadt und ihren Wandel. „Mit seiner Leica nähert Lange sich der Stadt stets wie ein Reportagephotograph – nicht wie ein Architekturphotograph mit schwer- und auffälliger Plattenkamera“, so Goebel. Die Ergebnisse seiner Arbeit präsentiert Lange in Büchern und in Ausstellungen auf Abzügen, meist 40 mal 50 Zentimeter groß.
Der Bildband präsentiert zahlreiche Projekte Langes, angefangen mit den Kreuzberg,-Motiven, die zwischen 1974 und 1977 entstanden. Es sind vielfach Bildserien, die Unterschiede oder Gemeinsamkeiten aufzeigen, die sonst kaum auffallen. Er blickt in die Straßen, stellt die Eingänge der kleinen Läden nebeneinander, das Bestattungs-Institut neben dem Laden mit der Bier-Reklame und der Aufschrift „Zur guten Laune“. In Charlottenburg schaut er von oben auf den Verkehr und auf die geparkten Autos. Zum Motiv werden die Fußgänger, die in der Einkaufsstraße dichtgedrängt von einer Ampel gestoppt werden.
Immer wieder sucht sich Lange Aussichtspunkte, die den Blick über die Stadt ermöglichen oder zumindest – wie beim Titelbild aus dem Märkischen Viertel – eine leicht erhabene Sicht auf die Straße, dahinter Wohnblöcke, sperrig und abweisend.
Lange besucht die Baustellen der Stadt, er dokumentiert die Mauerbrachen und fotografiert systematisch die Häuser der Bölschestraße, er zeigt die Weddinger Arbeiterquartiere, den Gasometer inmitten der unsanierten Altbauten von Schöneberg, in Köpenick interessieren ihn die unterschiedlich gestalteten Garagentore, er schaut auf die Ausflugsziele, die Natur, die er in der Stadt findet. Selbst wenn zahlreiche Menschen auf einem der Fotos erscheinen, wird bei Lange vor allem die Beziehung zu den Orten sichtbar, an denen sie sich aufhalten.
Vieles hat sich in der Stadt in dreißig Jahren verändert, wieviel, machen die Fotos von Karl Ludwig Lange deutlich.
Karl-Ludwig Lange: Der Photograph in seiner Zeit. Berliner Jahre 1973–2004. Hrsg. von Matthias Harder. Nicolai, Berlin 2014, ISBN 978-3-89479-877-2.
