Spuren der zwanziger Jahre

Cover "Die zwanziger Jahre in Berlin"

Cover „Die zwanziger Jahre in Berlin“

Seit den Erfolgsromanen des Schriftstellers Volker Kutscher und deren Verfilmung als „Babylon Berlin“ ist das Berlin der zwanziger Jahre wieder stärker im Fokus. Einen passenden Wegweiser für diese Zeit haben Michael Bienert und Elke Linda Buchholz  mit dem Band „Die zwanziger Jahre in Berlin“ im Berlin Story Verlag vorgelegt. Er führt in die Zeit des Umbruchs nach dem 1. Weltkrieg, in eine Zeit des Aufbruchs, des exzessiven Nachtlebens, der politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung.

Autorin und Autor kommen aus dem Kulturjournalismus. Sie zeigen an vielen Orten der Stadt auf, wo und wie kulturelle Entwicklungen ihren Anfang in den „goldenen Zwanzigern“ nahmen. Theater und Film erleben Glanzzeiten, auf zwei Seiten sind im Buch Adressen der Stars versammelt, auf weiteren zwei die Anschriften der Autorinnen und Autoren. Ein eigenes Kapitel ist den Künstlerlokalen gewidmet.

Den Kudamm entlang machen die Autoren das Atelier der Künstlerin Jeanne Mammen ausfindig, die Ausstellungsräume der Künstler der Freien Secession, in denen später das Theater am Kurfürstendamm die Zuschauerinnen und Zuschauer unterhielt. Erzählt wird die Geschichte des Woga-Komplexes, in dem mit dem „Universum“ ein Großkino öffnete, heute genutzt von der Schaubühne. Mode kam vom Hausvogteiplatz, Zeitungen aus dem Presseviertel um die Kochstraße.

Der Fotograf Helmut Newton wuchs im Schöneberg der zwanziger Jahre auf, in der Nähe, am Nollendorfplatz, wohnte der Schriftsteller Christopher Isherwood, dessen Figur Sally Bowles im Film Cabaret zu bewundern ist. Albert Einstein wohnte in der Nähe des Bayerischen Platzes, seine Spuren finden sich gleich in mehreren Kapiteln.

Ausführlich wird die Architektur gewürdigt, zahlreiche Siedlungen aus dieser Zeit werden mit ihren Besonderheiten dargestellt, moderne Wohnsiedlungen entstanden, die heute Weltkulturerbe sind.  Vorgestellt werden auch die Museen, die wie das Bröhan-Museum der Darstellung jener Zeit verpflichtet sind.

Am Anfang des Buches steht ein Kapitel zur Novemberrevolution, in dem auch auf die Denkmäler für die ermordete Sozialistin Rosa Luxemburg verwiesen wird. Gegen Ende des Jahrzehnts spitzt sich die politische Lage noch einmal dramatisch zu, es kommt zu Straßenkämpfen. Ein Kapitel widmet sich schließlich den Schauplätzen des Terror 1933, der Verfolgung und der Erinnerung. Die Leichtigkeit der „goldenen Zwanziger“ ist vorbei.

Das Buch ist ein informativer und spannender Begleiter für zahlreiche Touren durch Berlin, auch wenn viele Orte im Krieg zerstört wurden, werden sie durch die Darstellung wieder lebendig.

Bienert, Michael; Buchholz, Elke Linda, Die Zwanziger Jahre in Berlin – Ein Wegweiser durch die Stadt, ca. 304 Seiten, 12 Illustration(en), farbig, 40 Illustration(en), schwarz-weiß20,5 x 12,5 cm,  Neuauflage 2018

 

Über Ulrich Horb

Jahrgang 1955, Journalist und Fotograf in Berlin
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