Trauer um Winfried Sühlo

Winfried Sühlo. Foto: Ulrich Horb

Winfried Sühlo. Foto: Ulrich Horb

geboren 14.7.1935, gestorben 2.2.2026

Der ehemalige Berliner Kulturstaatssekretär Winfried Sühlo ist am 2. Februar 2026 im Alter von 90 Jahren verstorben.

Viele Jahre war die deutsche Teilung für ihn ein wichtiges Thema, genauso lange aber auch das Verbindende: die Kultur. Umgeben von Malerei, Grafik und Büchern fühlte sich Winfried Sühlo wohl und aufgehoben. Er pflegte die Freundschaften mit Künstlerinnen und Künstlern. Und er war ein gefragter kulturpolitischer Ratgeber.

Winfried Sühlo. Foto: Ulrich Horb

Winfried Sühlo. Foto: Ulrich Horb

Winfried Sühlo wurde 1935 in Hannover geboren, im Krieg schickten ihn die Eltern zum Schutz vor Luftangriffen auf ein Dorf in Thüringen, von dort ging es Mitte 1944 für den Neunjährigen zurück in den Westen – nun aus Sorge vor den heranrückenden sowjetischen Truppen. Krieg, Kriegsende und deutsche Teilung waren Erfahrungen, die das Bild der Kindheit nachhaltig prägten.

In München und Berlin studierte Winfried Sühlo Geschichte und deutsche Philologie; 1967 promovierte er zum Dr. phil., arbeitete von 1968 bis 1971 für die Stiftung Wissenschaft und Politik im Isartal zu Fragen der Deutschlandpolitik und einer neuen Entspannungspolitik. 1970 trat er im Bezirk Südbayern der SPD bei, „Willy Brandt und seiner Ostpolitik geschuldet“, so Winfried Sühlo.

Winfried Sühlo. Foto: Ulrich Horb

Winfried Sühlo. Foto: Ulrich Horb

Seit April 1961 lebte Sühlo mit seiner Familie überwiegend in Berlin. 1971 erhielt er eine Assistentenstelle für »Zeitgeschichte nach 1945« am Fried­rich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin. Er war aufmerksamer Beobachter der politischen wie der kulturellen Entwicklungen. In seinem 2016 erschienenen Buch „Der rote Koffer“ – ein auffälliger Plastikkoffer von Philippe Starck für Papiere und Unterlagen war lange Zeit Winfried Sühlos ständiger Begleiter –  beschrieb er das gesellschaftliche Klima jener Jahre, unter anderem geprägt durch Anti-Atomtod-Bewegung und Spiegel-Affäre, er erinnerte an Aufbruchstimmung und Konflikte, immer im Blick dabei die kulturellen Entwicklungen. In West-Berlin konnte er beobachten, wie sich die Stadt mit dem Vier-Mächte-Abkommen veränderte.

Cover "Der rote Koffer".

Cover „Der rote Koffer“

1977 wechselte Winfried Sühlo in die Planungsabteilung des Bundeskanzler­amtes in Bonn. 1983 kehrte er von Bonn nach Berlin zurück: Sein nächster Arbeitsplatz wurde die Ständige Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der DDR in Ost-Berlin. In den Jahren bis 1988 knüpfte er zahlreiche Kontakte zu Künstlerinnen und Künstlern in der DDR.

Björn Engholm holte ihn dann 1989 in die Staatskanzlei Schleswig-Holstein in Kiel, wo er Leiter des Referats Auswärtige und innerdeutsche Angelegenheiten wurde.

Im November 1992 bot ihm Berlins Kultursenator Ulrich Roloff-Momin das Amt des Staatssekretärs für Kulturelle Angelegenheiten im Berliner Senat an, das er bis 1996 ausübte.

Winfried  Sühlo engagierte sich in verschiedenen kulturellen Vereinen und Institutionen, war Mitglied im Deutschen Werkbund, 1997 Gründungsvorsitzender der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin. 2001 war er Mitbegründer und erster Vorsitzender des Kulturforums Stadt Berlin der Sozialdemokratie e.V., er wirkte mit an der Organisation von rund 40 Ausstellungen, die das Kulturforum in einer kleinen Galerie in der Müllerstraße anbot.

Zur Buchvorstellung „Der rote Koffer“

Rede von Winfried Sühlo zur Gründung des Kulturforums Stadt Berlin der Sozialdemokratie 2001

Traueranzeigen im Tagesspiegel

Über Ulrich Horb

Jahrgang 1955, Journalist und Fotograf in Berlin
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Ein Kommentar zu Trauer um Winfried Sühlo

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