Der Mitbegründer der SPD in der DDR, Martin Gutzeit, ist am 15. September 2026 in Berlin verstorben. Gutzeit, am 30. April 1952 als Sohn eines Pfarrers in Cottbus geboren, hatte zunächst eine Lehre als Elektromonteur absolviert. 1971 holte er das Abitur an der Abendschule nach. Nach der vollständigen Verweigerung des Wehrdienstes nahm er ein Theologiestudium auf. 1989 gehörte er zu den Mitbegründern der SDP in der DDR. Darüber berichtete er: Mehr im Interview mit der Berliner Stimme
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat zum Tod von Martin Gutzeit kondoliert. Der Bundespräsident schreibt: „Martin Gutzeit war ein Wegbereiter unseres in Freiheit und Demokratie vereinten Landes. Als mutiger Pfarrer in der DDR schuf er Freiräume inmitten der Unfreiheit und wurde zu einem führenden Kopf der Opposition. Sein christlicher Glaube gab ihm die Kraft, auch in der Diktatur nie die Hoffnung zu verlieren und für ein freies Land mit freien Menschen zu kämpfen. Der Aufruf zur Gründung einer Sozialdemokratischen Partei, den er im April 1989 gemeinsam mit Markus Meckel veröffentlichte, stellte das Machtmonopol der SED offen infrage und war ein Akt der Friedlichen Revolution. Am Runden Tisch und als Abgeordneter der frei gewählten Volkskammer half Martin Gutzeit mit, die freiheitliche Demokratie in Ostdeutschland aufzubauen und die Weichen für die deutsche Einheit zu stellen. Und auch nach der Wiedervereinigung engagierte er sich als Berliner Beauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur unermüdlich für die Opfer des Unrechts und gegen die Verharmlosung der Diktatur. Martin Gutzeit wird unserem Land fehlen. Aber er wird ein Vorbild bleiben für Demokratinnen und Demokraten von heute und morgen. Wir werden ihn als leidenschaftlichen Streiter für Freiheit und Demokratie in Erinnerung behalten.“
Stiftung Berliner Mauer zum Tod von Martin Gutzeit
Die Stiftung Berliner Mauer trauert um den evangelischen Theologen und DDR-Bürgerrechtler Martin Gutzeit, der am 16. September im Alter von 74 Jahren verstorben ist. Von 1993-2017 war Gutzeit Beauftragter für die Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit der ehemaligen DDR in Berlin. In dieser Funktion begleitete er die Arbeit der Stiftung Berliner Mauer seit ihrer Entstehung im Jahr 2009 kontinuierlich. Zahlreiche Kooperationen und Veranstaltungen gingen auf seine Initiative zurück. Als DDR-Bürgerrechtler gehörte Martin Gutzeit zusammen mit Markus Meckel zu den Mitbegründern der SDP im Herbst 1989 und wurde Mitglied des Vorstands und später stellvertretender Geschäftsführer der Partei. 1995 wurde er für sein Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.
Der Direktor der Stiftung Berliner Mauer, Prof. Dr. Axel Klausmeier, sagte: „Mit Martin Gutzeit verlieren wir nicht nur einen klugen Kopf und wichtigen politischen Mitstreiter der Friedlichen Revolution, sondern auch einen überaus engagierten Demokraten und aufrichtigen, immer empathischen Menschen, dem es stets um Gerechtigkeit ging. Einen Anwalt für die Opfer der SED-Diktatur, der sich nie in den Mittelpunkt drängte, dem es stets um die Sache ging. Für die Berliner Erinnerungskultur und Aufarbeitung der SED-Diktatur war sein Wirken richtungsweisend. Sein Mut und seine Handlungsbereitschaft hatten Vorbildcharakter. Wir werden Martin Gutzeit, dessen Lachen ansteckend war, nicht vergessen.“
