JFKS: Eine besondere Schule in Dahlem

1970: Einweihung des Neubaus für die John-F.-Kennedy-Schule. Foto: Archiv Ulrich Horb

1970: Einweihung des Neubaus für die John-F.-Kennedy-Schule. Foto: Archiv Ulrich Horb

Sie war einzigartig im West-Berlin der sechziger Jahre: In Dahlem, einem Ortsteil von Zehlendorf im amerikanischen Teil der Vier-Sektorenstadt wurde im Oktober 1960 eine neue Schule gegründet, die sich der deutsch-amerikanischen Freundschaft und Begegnung verschrieb. Ihre Schülerinnen und Schüler kamen aus den umliegenden deutschen Familien ebenso wie aus den amerikanischen Haushalten der Besatzungssoldaten, die in Berlin stationiert waren und überwiegend in Zehlendorf lebten. In Dahlem war die US-Präsenz besonders sichtbar: Lucius D. Clay, der Koordinator der Luftbrücke, hatte hier seinen Dienstsitz, neue Wohnquartiere und spezielle Geschäfte und Restaurants für die amerikanischen GIs waren entstanden, ein „Little America“.

1968 Bauarbeiten am Neubaus für die John-F.-Kennedy-Schule. Foto: Archiv Ulrich Horb

1968: Bauarbeiten am Neubau für die John-F.-Kennedy-Schule. Foto: Archiv Ulrich Horb

Die Gründung einer deutsch-amerikanischen Schule war daher nur folgerichtig, um für mehr Miteinander und Verständigung zu sorgen – Freundschaft, die von Kleinauf wachsen konnte. Das Schulprojekt der „German-American Community School“ startete in Räumen der Mühlenau-Grundschule mit 2 Klassen, in denen 15 deutsche und 15 amerikanische Sechsjährige zusammenkamen und mit zwei 3rd Grade classes. Unterrichtet wurde zweisprachig in Deutsch und Englisch. Jedes Jahr kam eine Jahrgangsstufe dazu, die Schule wurde als Gesamtschule geführt, an der als Abschluss wahlweise das Abitur oder das amerikanische High School Diploma erreicht werden konnte. Die Schulleitung ist paritätisch besetzt, es gibt für den Grundschul- und den Oberschulbereich jeweils einen deutschen und einen amerikanischen Schulleiter.

1970: Einweihung des Neubaus für die John-F.-Kennedy-Schule. Foto: Archiv Ulrich Horb

1970: Einweihung des Neubaus für die John-F.-Kennedy-Schule. Foto: Archiv Ulrich Horb

Im April 1963 hatte die Schule bereits 360 Schülerinnen und Schüler, die zum Teil mit dem Schulbus kamen, und 13 Lehrkräfte. Von der Mühlenau-Grundschule konnte die deutsch-amerikanische Schule  in provisorische Räume am Teltower Damm auf dem Gelände der ehemaligen Laehr-Klinik umziehen.

Als im November 1963 der amerikanische Präsident John F. Kennedy einem Attentat zum Opfer fiel, erschütterte dies auch die Dahlemer Schulgemeinschaft. Mit der Benennung nach Kennedy setzte die Schule ein Zeichen der Verbundenheit.

Die steigende Zahl der Schülerinnen und Schüler ließ den Campus weiter wachsen.   1970 wurde der Neubau eines Schulgebäudes eingeweiht, später folgten weitere Gebäude, entworfen vom Architekten Prof. Dipl.-Ing.  Harald Deilmann.

2021: die John-F.-Kennedy-Schule. Foto: Ulrich Horb

Kennedy-Schule 2021. Foto: Ulrich Horb

2019 wechselte die Verantwortlichkeit für die Schule vom Bezirk Steglitz-Zehlendorf zur Senatsverwaltung. Inzwischen besteht erheblicher Sanierungsbedarf.  Das Architekturbüro „Baupiloten“ ermittelte 2022/2023 in einer vorgeschalteten Phase-0-Planung die Bedarfe der Schulgemeinschaft.  Die Baupiloten hielten fest: „Da die Schule im Wesentlichen aus zehn verschiedenen Gebäuden mit unterschiedlichen Funktionsbereichen besteht (Entry Class, Grundschule, Oberschule, Gemeinschaftsbereich), kristallisierte sich im Beteiligungsprozess die Bildung eines Campus als Wunsch heraus, der kommunikative Qualitäten anbieten und den Hort, das Friendship Center, aufnehmen kann, aber auch Aufführungen von Chören, Bands Musik-AGs etc. ermöglicht. Kreative Fächer haben an der Schule ein hohes Gewicht. So ist ein starkes Auditorium Teil der Handlungsempfehlung der Baupiloten, die zudem ein Funktions- und Nutzungskonzept umfasst.“

Aus der erhofften raschen Sanierung der Schule wurde nichts.  Erst 2029 kann wohl mit Haushaltsmitteln für die Sanierung und Erweiterung der sechs Hauptgebäude und 135 Klassenräume gerechnet werden. Kosten von 180 Millionen Euro stehen im Raum, für die Zeit der Sanierung müsste eine Ersatzunterkunft gefunden werden.

 

 

 

Quellen:

Website der Schule: https://jfks.de
Alumni-Seite: https://www.jfks.net
Geschichte der Alliierten: https://zeitgeschichte-digital.de/doks/frontdoor/deliver/index/docId/2351/file/eisenhuth_die_schutzmacht_2018_de.pdf
Sanierung: https://www.baupiloten.com/de/projects/john-f-kennedy-schule-berlin

https://www.tagesspiegel.de/berlin/bezirke/steglitz-zehlendorf/es-tropft-durch-die-decke-millionensanierung-der-berliner-john-f-kennedy-schule-beginnt-fruhestens-2029-15031995.html

Über Ulrich Horb

Jahrgang 1955, Journalist und Fotograf in Berlin
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