Berlin – freiheitlich & rebellisch

Cover "Berlin freiheitlich & rebellisch"

Cover „Berlin freiheitlich & rebellisch“

Mit vielen Veranstaltungen und Ausstelllungen feierte Berlin 1987 sein 750jähriges Bestehen.  Schon im Vorfeld gab es zahlreiche Veröffentlichungen, die die Geschichte der Stadt aus unterschiedlicher Sicht interpretierten. In seinem 1986 erschienenen Buch „Berlin freiheitlich & rebellisch“ richtete Joachim Berger in 350 Beiträgen das Augenmerk auf Ereignisse, Orte und Persönlichkeiten der Stadt, die für das unangepasste Berlin standen, für Protest und kreativen Widerstand.

Überliefert sind Protestaktionen der Berliner Bürgerschaft schon seit dem 14. Jahrhundert. Berger erzählt die   Geschichte vom Propst von Bernau, der Berlin und  Cölln mit dem päpstlichen Bann droht, wenn sie im Streit zwischen Kaiser und  Papst nicht Partei für die Kirche ergreifen. Stattdessen ergreifen die empörten Bürger den Propst und werfen ihn auf den Scheiterhaufen. In die    Geschichte eingegangen ist auch der „Berliner Unwille“: 1448 erheben sich die Bürger gegen Kurfürst Friedrich  II., der die Rechte der Bürger beschneiden will und in der Stadt ein Schloss errichten lässt. Die rebellischen  Bürger fluten die  Baustelle.

Berger beschreibt auch den Mut Einzelner, etwa des Freikorpsführers Adolph von   Lützow, der gegen die Franzosen kämpft. Mut beweist auch  Bettina von Arnim, die sich für politisch Verfolgte einsetzt und das soziale Elend der Weber anprangert. 1846 kommt es nach einer Missernte zur            „Kartoffelrevolution“. Nachdem viele  Lebensmittel für die normale  Bevölkerung unbezahlbar geworden sind, werden Marktstände und Läden geplündert.

Mehrere Abschnitte des Buches sind der Revolution von 1848 gewidmet, in der sich der Zorn über die politischen und sozialen Missstände Bahn bricht. Mit der entstehenden Arbeiterbewegung formiert sich der Widerstand gegen die preußische Obrigkeit, ihr undemokratisches Wahlrecht, gegen Ausbeutung.

Der 1. Weltkrieg spaltet die Arbeiterbewegung, Joachim Berger nennt die Gegner der  Kriegskredite, er beschreibt knapp die  Protestaktionen, das Wirken von Rosa Luxemburg und  Karl Liebknecht, die Entstehung der KPD, das Engagement gegen den Kapp-Putsch. Die Weimarer Republik hat ihre kämpferischen Künstlerinnen und Künstler. Etliche Abschnitte widmet Berger dem Widerstand im Dritten Reich.

In der Nachkriegszeit sind es vor allem die Protagonisten der Studentenbewegung, aber auch einzelne Aktionen von Bürgerinitiativen, etwa gegen die Westtangente. Als widerständige Orte entstehen die UFA-Fabrik oder der Mehringhof.

Berger liefert zu vielen Ereignissen und Personen neben dem meist kurzen historischen Abriss auch konkrete Ortsangaben. So wird der Band, wie im Untertitel versprochen, zum „Stadt – Lese – Wander – Buch“.

Joachim Berger, Berlin freiheitlich & rebellisch, Stadt – Lese – Wander – Buch, Verlag Goebel, 1986 413 Seiten, zahlreiche s/w-Fotos,   ISBN 10: 3924591024 / ISBN 13: 9783924591021

Über Ulrich Horb

Jahrgang 1955, Journalist und Fotograf in Berlin
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