1920: Groß-Berlin entsteht (1)

Plakat von Käthe Kollwitz 1912. Foto: gemeinfrei/Archiv Ulrich Horb

Plakat von Käthe Kollwitz 1912. Foto: gemeinfrei/Archiv Ulrich Horb

Es war eine wegweisende Entscheidung, die die Preußische Landesversammlung am 27. April 1920 traf. Mit knapper Mehrheit wurde ein Gesetz angenommen, das eine „neue Stadtgemeinde Berlin“ formte. Mit dem alten Kern von Berlin wurden sieben Nachbarstädte, 59 Landgemeinden und 27 Gutsbezirke vereint. Noch heute profitiert Berlin von dieser Entscheidung, was Stadtentwicklung, Verkehrsverbindungen, Naherholung oder Wirtschaftsansiedlungen angeht. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Berlin | Verschlagwortet mit , , | Schreib einen Kommentar

Mutter Krausens Suche nach dem Glück

Filmplakat (Ausschnitt) "Mutter Krausens Fahrt ins Glück"

Filmplakat (Ausschnitt) für „Mutter Krausens Fahrt ins Glück“

Von den „goldenen zwanziger Jahren“ Berlins ist hier nichts zu spüren.  Die Kamera blickt aus der Vogelperspektive in düstere Weddinger Hinterhöfe, fährt entlang der bröckelnden Fassaden und zeigt auf dem Asphalt spielende Kinder. Der Film „Mutter Krausens Fahrt ins Glück“, im Herbst 1929 gedreht, führt in die Enge der Berliner Mietskasernen, er zeigt Armut und Hoffnungslosigkeit. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Berlin im Film | Verschlagwortet mit , , , , , | Schreib einen Kommentar

Hans Baluschek und das Gewissen der Zeit

Cover "Hans Baluschek" von Günter Meißner, Dresden 1985

Cover „Hans Baluschek“ von Günter Meißner, Dresden 1985

Zwei Motive finden sich auf vielen seiner Zeichnungen und Gemälde: zum einen die Berliner Arbeiterinnen und Arbeiter, zum anderen die Welt der Eisenbahn.  Der Zeichner und Maler Hans Baluschek (1870 – 1935) hat die Entwicklungen seiner Zeit im Bild festgehalten und mitgeprägt.  Von den Nazis wurde er verfolgt, in der Nachkriegszeit blieb er lange unbeachtet. Erst 1975 würdigte das Kunstamt  Kreuzberg ihn mit einer größeren Ausstellung. 1985 erschien in der DDR eine Biographie von Günter Meißner, die Baluschek u.a. als „Humanisten an der Seite der Sozialdemokratie“ beschreibt. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Berlin im Buch, Berlin-Antiquariat, Berlin-Bildband | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Mit Zille auf dem Rummel

Cover "Buden, Bier und starke Frauen"

Cover „Buden, Bier und starke Frauen“

Der Berliner Künstler Heinrich Zille hat nicht nur liebevoll das Hinterhofleben in den Mietskasernen mit dem Stift kommentiert, er hat auch die kleinen Vergnügungen der Berlinerinnen und Berliner beobachtet. Der 1987 erschienene Band „Buden, Bier und starke Frauen“ vereint einige Rummelplatzmotive des Zeichners mit etlichen Zille zugeschriebenen Fotografien. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Berlin-Bildband | Verschlagwortet mit , , , | Schreib einen Kommentar

Wirklichkeitsbeschreiber: Der Künstler Otto Nagel (6)

Nagel-Würdigung von Heinrich Zille.

Nagel-Würdigung von Heinrich Zille. Foto: gemeinfrei / Archiv U. Horb

Mit Ausstellungen in Warenhäusern erreichen die Künstler um Otto Nagel ein breiteres Publikum. Im Februar 1926 hat Nagel  Bilder u.a. von Käthe Kollwitz, Hans Baluschek, Heinrich Zille, Albert Birkle, Dix, Grosz und Peter Paul Eickmeier zusammengestellt, die, unterstützt vom Volksbildungsamt Wedding, im Kaufhaus W. Stein in der Chausseestraße 70/71 gezeigt werden. Mehrere tausend Menschen sehen die Ausstellung. Von Otto Nagel sind u.a. die Gemälde „Asylist“ und „Straßenmädel“ zu sehen. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Geschichten, Wedding | Verschlagwortet mit , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Heinrich Zille: Wer drückte den Auslöser?

Cover Heinrich Zille – Photographien Berlin 1890 – 1910

Cover Heinrich Zille – Photographien Berlin 1890 – 1910

„Pinselheinrich“ nannten ihn liebevoll Spötter.  Seine Zeichnungen haben das  Bild Berlins geprägt.  Er hat die Hinterhöfe in Charlottenburg, Kreuzberg oder Wedding als Motive erkannt, hat die Kinder beim Spielen auf der Straße gezeichnet, die Armut und Enge in den Mietskasernen  festgehalten. Mit dem Zeichenstift hat er das Berliner „Milljöh“ um 1900 dokumentiert. Nach 1967 erschienen mehrere Veröffentlichungen, die Heinrich Zille als Fotografen zeigen sollten, so auch der von Winfried Ranke eingeleitete Band „Heinrich Zille – Photographien Berlin 1890 – 1910“. Die Urheberschaft Zilles ist allerdings nicht zweifelsfrei nachweisbar. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Berlin-Bildband | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Wirklichkeitsbeschreiber: Der Künstler Otto Nagel (5)

Turiner Straße 10, Wohnhaus von Otto Nagel ab 1926. Foto: Ulrich Horb

Turiner Straße 10, Wohnhaus von Otto Nagel ab 1926. Foto: Ulrich Horb

Viele Werke Otto Nagels sind während der NS-Zeit und im Krieg zerstört worden oder gelten als verschollen. So das 1918 entstandene Ölgemälde „Volksversammlung“, das bis 1933 im Karl-Liebknecht-Haus der KPD hing. Es zeigt eine Menschenmenge, die einem Redner lauscht, der mit hochgerissenen Armen vor einer strahlenden Lichtquelle steht. Dynamisch drängen die Menschen zu ihm. Im Vordergrund steht ein Mann in der Menge, der ein Kind im Arm hält, das sich an ihn klammert. Als Kopfbedeckung trägt der Mann einen Hut, wie ihn auch Otto Nagel auf einem 1919 entstandenen Selbstbildnis trägt. Verschollen ist auch der 1920 entstandene Blick aus einem Fenster  in einen Hinterhof mit einem Arbeiter, „Am Wedding“ betitelt. Oder das Bild „Arbeiterbrautpaar“, 1926 fertiggestellt und einst im Besitz des Museums Stettin:  helle Gesichter vor dunklem Hintergrund mit starrem, wenig zuversichtlichem Blick. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Wedding | Verschlagwortet mit , , , , | Schreib einen Kommentar

Wirklichkeitsbeschreiber: Der Künstler Otto Nagel (4)

Ansicht des Weddingplatzes.

Ansicht des Weddingplatzes.

Walentina Nikitina ist 1925 21 Jahre alt  und auf dem besten Weg, Schauspielerin zu werden. Aufgewachsen ist sie in bürgerlichen Verhältnissen in St. Petersburg, der Stadt, die nun – nach der Revolution – Leningrad heißt.  Walentinas  Vater ist drei Monate vor ihrer Geburt verstorben, auf der Mutter ruhte die Last, für Walentina und ihre fünf Brüder zu sorgen. Walentina wächst umgeben von 3000 Büchern auf, Musik, Theater und Literatur wecken ihre Leidenschaft, nur beim Zeichnen kann sie bei sich keine Begabung erkennen. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Wedding | Verschlagwortet mit , , , , | Schreib einen Kommentar

Wirklichkeitsbeschreiber: Der Künstler Otto Nagel (3)

Straßenschild an der Schulstraße. Foto: Ulrich Horb

(Zum Teil 1 zum Teil 2) Seit er seine Tochter Lotte zu sich genommen hat, lebt auch  Otto Nagel in der Wohnung seiner Mutter und seines Bruders Paul in der Schulstr. 102, nicht weit entfernt von der Reinickendorfer Straße.
Als Jugendlicher hat er seine Mutter porträtiert und gelegentlich, eher heimlich, den respekteinflößenden Vater. Mit Kohle hat er auf Papier kleine Szenen aus seinem Umfeld skizziert. Otto Nagels erste größere Ölbilder und Aquarelle  entstehen 1919. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Wedding | Verschlagwortet mit , , , , | Schreib einen Kommentar

Wirklichkeitsbeschreiber: Der Künstler Otto Nagel (2)

Erinnerungstafeln an den Berliner Künstler Otto Nagel

Erinnerungstafeln an den Berliner Künstler Otto Nagel vom Künstlerkollektiv sara&ralf  (Sara Reichert und Ralf Klausnitzer) an der Reinickendorfer Str. 67

(zum Teil 1) Die exklusive Kunstwerkstatt von Heinersdorff entspricht  so gar nicht den Vorstellungen von Otto Nagel.  Er tat sich selbst leid, schreibt er später im Rückblick: „Meinen geliebten Wedding, die grauen Straßen mit den unzähligen Mietskasernen und den dazwischengeschobenen kleinen Häuschen verlassen! Nicht mit Menschen zusammen sein, die in Haltung und Bewegung waren wie ich selbst.“  Er lernt auch das unterschiedliche Bewusstsein der Arbeiter kennen: Hier die Glasmaler, die sich als Künstler verstehen, sich siezen  und mit langen Haaren, Sammetjackett und einer breiten Künstlerschleife auftreten, dort die bodenständigen Bleiverglaser, die sich duzen und keinen Standesdünkel haben. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Geschichten, Wedding | Verschlagwortet mit , , , , , , | Schreib einen Kommentar