Spaziergänge durch das „andere Friedenau“

Cover „Das andere Friedenau“

Vier Rundgänge auf den Spuren von Künstlerinnen, Künstlern und Literaten durch den Stadtteil Friedenau bieten die Autoren Christel und Heinz Blumensath in der vom Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg herausgegebenen Broschüre „Das andere Friedenau – Spaziergänge durch Kunst-, Literatur und Baugeschichte“ an.   1996 ist sie erstmals erschienen und hat seitdem mehrere Neuauflagen erlebt. Entstanden ist sie zur Ausstellung „Künstlerviertel Friedenau“ im Schöneberg Museum.

„Das andere Friedenau“ lautet der Titel. Dabei ist zumindest auf den ersten Blick nicht ganz klar, was das eine Friedenau ist, was das andere. Steht da ein rebellisches, künstlerisches  gegen ein  gutbürgerliches? Wo doch gerade in Friedenau eigentlich alles ineinander übergeht?

Die Baugeschichte Friedenaus erläutert Martin Schwarz vom Stadtplanungsamt Tempelhof-Schöneberg. Er weist auf eine Besonderheit Friedenaus hin: Da ursprünglich als Villenvorort geplant, hatten sich die ersten Ansiedler im Grundbuch verpflichtet, keine Mietshäuser zu errichten. So blieb Friedenau erspart, was etwa zur gleichen Zeit im Wedding zum Bau von dunklen Mietskasernen führte. Die Wohnungsnot in und um Berlin führte dann 1887 dazu, dass vorübergehend auch fünfgeschossige Häuser errichtet werden durften. Das erklärt die noch immer erkennbaren Unterschiede in der Bebauung.

Die Spaziergänge führen vom S-Bahnhof Friedenau zum Rathaus, in die Umgebung der Niedstraße, vom Friedrich-Wilhelm-Platz zum Adam-Kuckhoff-Platz  und rund um den Südwestkorso. Die Strecken selbst sind überschaubar, aber dicht an dicht reihen sich die Stationen, an denen Künstlerinnen und Künstler wohnten oder Baudenkmäler zu finden sind. Zu allen gibt es ausführliche Informationen.

So lebte in der Fregestraße 80 Theodor Heuß, der erster Präsident der Bundesrepublik wurde, nur wenige Häuser weiter, in der Nummer 76, hatte NS-Gauleiter Goebbels eine Wohnung. Der Bildhauer Ernst Barlach lebte in der Illstraße4, In der Dickhardstraße 48 wohnten mit Hans Christoph Buch und Nicolas Born gleich zwei Schriftsteller. Hans Baluschek hatte sein Atelier in den Ceciliengärten, Rosa Luxemburg wohnte in der Wielandstr.23.

Der zweite Rundgang führt u.a. zu Adressen von Günter Grass (Niedstr. 13), Uwe Johnson (Niedstr. 14), Max Frisch (Sarrazinstr.8) oder Erich Kästner (Niedstr.5).

Rundgang 3 macht Station an den Wohnorten von Kurt Tucholsky (Bundesallee 79), Georg Hermann (Stubenrauchstr.6), Hannah Höch (Büsingstr. 16) oder Rainer Maria Rilke (Rheingaustr.8). Rundgang 4 führt am Wohnhaus von Günter Bruno Fuchs an der Wilhelmshöher Str.6 vorbei zum Friedhof mit den Gräbern von Marlene Dietrich oder Jeanne Mammen. Nicht weit entfernst in der Fehlerstr. 8 war früher die berühmte Bildgießerei Noack.

Porträts von Friedenauer Traditionsbetrieben runden die Broschüre ab. Ein handlicher Begleiter durch das künstlerische Friedenau und seine Bauten.

Das andere Friedenau Spaziergänge durch Kunst-, Literatur und Baugeschichte, Hrsg. Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg 1996, antiquarisch erhältlich

Über Ulrich Horb

Jahrgang 1955, Journalist und Fotograf in Berlin
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