Achtziger Jahre: der Krempelmarkt am Reichpietschufer

Krempelmarkt am Reichpietschufer 1990. Foto: Ulrich Horb

Krempelmarkt am Reichpietschufer 1990. Foto: Ulrich Horb

Das Gelände am Reichpietschufer zwischen Landwehrkanal und Mauer war Anfang der achtziger Jahre eine Brache. Ein einsames Studentenwohnheim stand in angemessener Entfernung, Foto Klinke hatte in der Nähe einen Laden für Fotolaborbedarf. Zur anderen Seite hin waren die Umrisse der Staatsbibliothek zu erkennen und die Neue Nationalgalerie zeigte  West-Berliner Kunstschätze. An den Wochenenden gehörte der Platz am Reichpietschufer den Trödlern und ihren Schätzen.

Aus großen Pappkartons wurden Jacken, Hemden, Hosen ausgepackt, Gläser und Vasen standen auf den Holztischen der Marktbuden. Wenn es regnete, wurde das Gelände am Reichpietschufer zur sumpfigen Seenlandschaft. Der Krempelmarkt im Schatten der Mauer zog in den achtziger Jahren Hunderte von Händlerinnen und Händlern und Tausende von Kaufwilligen an. Als Anfang 1989 die Visumspflicht in Polen aufgehoben wurde, entstand am Rande ein neuer Bereich, der „Polenmarkt“. Auf Decken wurden Wurst, Käse, Wodka und Zigaretten aus Polen ausgebreitet, gestickte Decken und Haushaltsartikel. 1989  bauten findige Verkäuferinnen und Verkäufer Stände direkt an der Mauer auf, an denen DDR-Wimpel, sowjetische Uniformen, Rubelmünzen, Medaillen und Mauerstücke angeboten wurden. Weiterlesen

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Noackturm: Wasser für die Rosen

Noackturm: Abriss des Gärtnereigeländes 1980/81. Foto: Archiv Ulrich Horb

Noackturm: Abriss des Gärtnereigeländes 1980/81. Foto: Archiv Ulrich Horb

Nur ein Turm erinnert noch an vergangene Zeiten. Er ragt heute aus einem Naturschutzgebiet an der Britzer Straße unweit des Volksparks Mariendorf und des Britzer Gartens. Erbaut wurde er 1922 vom Gärtnereibesitzer August Noack (1878 – 1945) als Wasserturm für die Versorgung der eigenen und der umliegenden Gärtnereien. Hier im Süden Berlins wuchsen einmal bis zu zwei Millionen Rosenstöcke. Weiterlesen

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Über 1000 Brücken musst Du gehen

Cover "Berliner Brücken", erschienen 2015

Cover „Berliner Brücken“, erschienen 2015

Berlin ist nah am Wasser gebaut, die Stadt wird durchzogen von Spree, Havel, Panke und etlichen Kanälen. Für die notwendigen Verbindungen sorgen mehr als tausend Straßen- und Fußgängerbrücken. Eckhard Thiemann, lange Jahre tätig in der Brücken­bau­ver­waltung in Ost-Berlin, später in der Berliner Senatsverwal­tung und ab 1992 Brückendezer­nent im Brandenburgischen Auto­bahnamt, hat der Gestaltung der Berliner Brücken mehrere Bücher gewidmet. 2015 erschien der Band „Berliner Brücken – ein stadtgeschichtlicher Streifzug“. Weiterlesen

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Hessels „Heimliches Berlin“

Cover "Heimliches Berlin" von Franz Hessel, Neuauflage von 2011.

Cover „Heimliches Berlin“ von Franz Hessel, Neuauflage von 2011.

Als Feuilletonist war er im Berlin der zwanziger Jahre bekannt. Mit kurzen Texten nahm der Freund Walter Benjamins die Leserinnen und Leser mit auf seine Spaziergänge durch ein lautes eiliges Berlin, er machte aufmerksam, erinnerte.  Schon zuvor hatte Franz Hessel (1880 – 1941) Gedichte und Romane veröffentlicht, als Lektor und Übersetzer des Rowohlt-Verlags war er mit den Werken Balzacs, Casanovas oder Prousts vertraut. 1927 erschien sein kleiner Roman „Heimliches Berlin“, der einen Tag im Leben einer bunt gemischten Gruppe aus der Berliner Bohème schildert und damit das Lebensgefühl Mitte der zwanziger Jahre in einem sich wandelnden Berlin einfängt. Weiterlesen

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Maueranschlag 1986

Maueranschlag 1986: DDR-Grenzsoldaten nach einem Anschlag auf West-Berliner Seite, 28. Juli 1986 an der Charlottenstraße in Kreuzberg. Foto: Ulrich Horb

Maueranschlag 1986: DDR-Grenzsoldaten nach einem Anschlag auf West-Berliner Seite, 28. Juli 1986 an der Charlottenstraße in Kreuzberg. Fotos: Ulrich Horb

Nach dem Mauerbau 1961 gab es immer wieder Anschläge auf die Grenzabsperrungen. Die DDR führt akribisch Buch über die von West-Berliner Seite aus begangenen Taten. 1986 werden im „Bericht über die Lage an der Staatsgrenze der DDR im Jahre 1986“ insgesamt 7911 Grenzverletzungen und Anschläge auf die Staatsgrenze der DDR von West-Berliner Gebiet aus gezählt.

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Geschichte der Berliner Mauer

Mauer in Kreuzberg. Foto: Ulrich Horb

Mauer in Kreuzberg. Foto: Ulrich Horb

Der 5. Februar 2018 war ein besonderer Tag: An diesem Tag  war die Berliner Mauer seit genau 10.316 Tagen offen. Genau dieselbe Anzahl von Tagen hatte sie die Stadt geteilt. Im Sommer 1990 begann der Abbau der Berliner Mauer. An vielen Stellen war sie schon durchlässig, die Graffitis auf der Westseite waren von den „Mauerspechten“ in Millionen Puzzleteile zerlegt worden, Händler verkauften sie einzeln an ihren Ständen. Die unter dem Beton verborgenen Metallstreben lagen offen, Löcher in der Mauer erlaubten den Durchblick. Weiterlesen

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Die Wiesenburg: Buch zur Geschichte eines besonderen Asyls

Cover "Die Wiesenburg", erschienen 2020.

Cover „Die Wiesenburg“, erschienen 2020.

Volker Schlöndorff drehte hier Szenen für die „Blechtrommel“, Rainer Werner Fassbinder nutzte die Wiesenburg als Kulisse für seinen Film „Lili Marleen“. Zuletzt machten die hier lebenden Künstlerinnen und Künstler den traditionsreichen Backsteinbau zu einem Kulturtreffpunkt. Die Geschichte der Wiesenburg, des einstigen Obdachlosenasyls im Wedding, erzählt jetzt ein Buch von Heather Allen, einer Künstlerin, die selbst in der Wiesenburg arbeitet. Weiterlesen

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Der Käfig am Gesundbrunnen

Es ist die Geschichte von drei Berliner Jungs, die Michael Horeni in seinem 2012 erschienenen Buch erzählt. Und es ist eine Geschichte über Berlin, seine unterschiedlichen Kieze und Lebenswelten, über Ehrgeiz, Aufstiegswillen und falsche Vorbilder.

Ihre überdimensionalen Porträts sind auf eine Weddinger Hauswand gemalt, ganz in der Nähe der Stelle, wo sich der Käfig befand, in dem für die Brüder Boateng alles anfing. 2012, vor der Fußball-Europameisterschaft, hat Michael Horeni ihre Geschichte aufgeschrieben, er hat mit Lehrerinnen und Lehrern gesprochen, mit den Jugendtrainern, mit Freunden. Es entsteht ein vielschichtiges Bild der fußballbegeisterten Brüder. Weiterlesen

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Friedrichsfelde und die Gedenkstätte der Sozialisten

Gedenkstätte der Sozialisten Friedrchsfelde, Foto: Ulrich Horb

Gedenkstätte der Sozialisten Friedrichsfelde, Foto: Ulrich Horb

Gut sichtbar steht vor der Gedenkstätte der Sozialisten noch die halbhohe Mauer aus Ziegelsteinen.  Hinter ihr hatte sich jedes Jahr das greise Politbüro der SED versammelt, in der Mitte Erich Honecker, den rechten Arm hoch erhoben, die Faust  geballt. Im Hintergrund, auf Fotos gut sichtbar, der Stein mit der Aufschrift „Die Toten mahnen uns“.  Davor: die vorbeiziehenden Massen. Das Politbüro gibt es nicht mehr. Und nicht mehr vorhanden ist auch die unterirdische Warmluftheizung, die dem Politbüro hinter der Mauer die Füße gewärmt hatte. Weiterlesen

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Wirklichkeitsbeschreiber: Der Künstler Otto Nagel (11)

DDR-Ehrung 1957: Verleihung des Goethepreises an Otto Nagel. Foto: Bundesarchiv, Bild 183-49311-0002 / CC-BY-SA 3.0 via Wikimedia

DDR-Ehrung 1957: Verleihung des Goethepreises an Otto Nagel. Foto: Bundesarchiv, Bild 183-49311-0002 / CC-BY-SA 3.0 via Wikimedia

Die Einschränkungen künstlerischer Freiheit durch die SED werden in den fünfziger Jahren stärker spürbar. Gefordert werden optimistische Bilder, der fröhliche, optimistische Arbeiter beim Aufbau der neuen Gesellschaft.  Otto Nagel, von 1950 bis 1952 und noch einmal von 1954 bis 1956 Vorsitzender des Verbands Bildender Künstler Deutschlands, sucht den Ausgleich. Bekanntheit und Anerkennung über die Grenzen der sowjetischen Besatzungszone helfen ihm dabei. „Die DDR wusste, was sie an diesem Maler hatte. Nagel genoss seit den 1920er-Jahren über alle Richtungsgrenzen hinweg künstlerisch einen ausgezeichneten Ruf“, so Wolfgang Brauer, ehemaliger kulturpolitischer Sprecher der Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, in einer Würdigung Nagels.  Weiterlesen

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